Was kostet ein LMS? Preise und Rechenbeispiel 2026

Veröffentlicht am 27. Oktober 2026

Ein LMS kostet ein Unternehmen mit einigen hundert Nutzern grob zwischen knapp tausend und mehreren zehntausend Euro im Jahr. Den größten Unterschied macht der Weg: fertige Cloud-Software mit Nutzerpreisen, Moodle mit gemietetem Hosting oder eine eigene Entwicklung. Dieser Beitrag zeigt echte Preise aus allen drei Welten und rechnet sie für 300 Nutzer über drei Jahre durch.

Die drei Wege zum eigenen LMS

Bevor Sie Preise vergleichen, sollten Sie wissen, welche Art von Kosten Sie überhaupt vergleichen. Die drei Wege rechnen sich grundverschieden ab.

Cloud-LMS (Software as a Service): Sie mieten eine fertige Plattform. Bezahlt wird pro Nutzer oder nach Nutzerstufen, meist monatlich oder jährlich. Betrieb, Updates und Sicherheit liegen beim Anbieter. Anpassungen sind auf das beschränkt, was die Software vorsieht.

Moodle mit Hosting: Moodle ist Open Source. Die Plattform selbst kostet keine Lizenzgebühr. Laut den Lizenzhinweisen von Moodle steht der Kern der Plattform unter der GNU General Public License (GPL). Sie zahlen stattdessen für Hosting, Wartung, Anpassungen und Support. Das übernimmt in der Regel ein Moodle-Partner.

Eigenentwicklung oder stark angepasstes System: Ein Dienstleister baut eine Plattform nach Ihren Anforderungen oder erweitert Moodle deutlich. Hier fällt ein großer Betrag am Anfang an. Danach kommen jährliche Kosten für Hosting und Pflege dazu.

Preise für Cloud-LMS

Viele Anbieter nennen keine Preise und verweisen auf ein Angebot. Zwei bekannte Anbieter veröffentlichen ihre Preise. Sie zeigen gut, wie diese Modelle funktionieren.

iSpring LMS: Preis pro aktivem Nutzer

Die Preisseite von iSpring nennt für den Tarif „Business“ folgende Stufen in Euro:

Aktive Nutzer Preis pro Nutzer und Monat Preis pro Jahr
100 6,61 € 7.936 €
300 4,25 € 15.312 €
500 3,78 € 22.665 €

Wichtig ist das Wort „aktiv“. Laut iSpring zählt ein Nutzer nur in Monaten, in denen er sich mindestens einmal anmeldet. Wenn viele Mitarbeitende nur ein- oder zweimal im Jahr eine Pflichtschulung machen, kann das günstiger sein als der Listenpreis. Für weniger als 100 Nutzer gibt es nur den Tarif „Enterprise“ auf Anfrage.

TalentLMS: Pakete nach Nutzerstufen

Die Preisseite von TalentLMS arbeitet mit Paketen und nennt Preise in US-Dollar:

Tarif Nutzer in der Grundstufe Preis pro Monat
Free bis 5 Nutzer, bis 10 Kurse 0 $
Core 1 bis 40 119 $
Grow 1 bis 70 229 $
Pro 1 bis 100 449 $
Enterprise ab 1.000 auf Anfrage

Laut den häufigen Fragen auf derselben Seite ist ein Jahresvertrag 20 % günstiger als monatliche Zahlung. Prüfen Sie im Angebot, ob die genannten Monatspreise bereits für jährliche Zahlung gelten. Der kostenlose Tarif reicht zum Ausprobieren, aber nicht für den Einsatz in einem Unternehmen mit mehr als einer Handvoll Lernenden.

Preise für Moodle mit Hosting

Moodle selbst kostet nichts. Den Betrieb müssen Sie trotzdem bezahlen, entweder auf eigenen Servern oder bei einem Partner. Der Berliner Moodle-Partner eLeDia veröffentlicht seine Hosting-Preise in einem Infoblatt zu den Hosting-Paketen. Es handelt sich um Nettopreise pro Jahr zuzüglich Mehrwertsteuer:

Nutzer und Speicher Standard-Hosting Extended-Hosting
250 Nutzer, 20 GB 896,10 € 1.642,85 €
500 Nutzer, 40 GB 1.127,85 € 1.915,80 €
1.000 Nutzer, 100 GB 1.864,30 € 3.296,00 €
2.000 Nutzer, 200 GB 2.976,20 € 5.350,85 €

Laut Infoblatt sind Installation, Datensicherungen und Sicherheitsupdates enthalten, das Hosting läuft in ISO-27001-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland. Das Extended-Paket bringt zusätzliche Funktionen mit, zum Beispiel automatisch versendete Zertifikate und Kursvorlagen.

Für mandantenfähige Umgebungen nennt dasselbe Infoblatt die kostenpflichtige Variante Moodle Workplace. Bei 1.000 Nutzern stehen dort 6.592,20 € für das Hosting und 2.371,32 € für die Lizenz pro Jahr. Für kleine Installationen ab 50 Nutzern gibt es laut eLeDia Self-Service-Pakete ab 150 € für drei Monate.

Was das Infoblatt als Leistung auf Anfrage führt: individuelle Designanpassungen, eigene Funktionen, Systemkonfiguration und Anwendungssupport. Diese Posten sind also nicht im Paketpreis enthalten und kommen je nach Bedarf dazu. Anbindungen über LDAP, Active Directory und Webservices sind dagegen schon im Standard-Hosting aufgeführt.

Kosten für Eigenentwicklung und angepasstes Moodle

Für individuelle Lösungen gibt es keine Preislisten, weil der Umfang jedes Mal anders ist. Einen Anhaltspunkt liefert eine Kostenschätzung des Dienstleisters Kolonell vom Oktober 2026. Der Beitrag zu Custom Build und Moodle bezieht sich auf ein Contact Center mit Anbindung an HR-System, CRM und Telefonie, mobiler Oberfläche und mehreren Sprachen. Er nennt diese Spannen:

Weg Einmalig Pro Jahr (Hosting und Pflege)
Angepasstes Moodle 12.000 bis 26.000 € 2.400 bis 5.300 €
Individuelles LMS 26.000 bis 59.000 € 3.500 bis 7.400 €

Diese Zahlen stammen von einem Anbieter, der solche Projekte verkauft. Sie sind eine Orientierung, kein Marktdurchschnitt. Ob die Angaben netto oder brutto gemeint sind, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Bei weniger Schnittstellen sinkt der Aufwand, bei Sonderwünschen wie eigener App oder Prüfungsfunktionen steigt er.

Rechenbeispiel: 300 Nutzer über drei Jahre

Um die Wege vergleichbar zu machen, hilft eine Rechnung über mehrere Jahre. Eine Eigenentwicklung ist im ersten Jahr teuer, danach günstiger. Bei Cloud-Software fallen dagegen jedes Jahr ähnliche Kosten an. Angenommen sind 300 Nutzer, die jeden Monat aktiv sind.

Weg Jahr 1 Jahr 2 und 3 Summe über drei Jahre
iSpring LMS Business (300 Nutzer) 15.312 € je 15.312 € 45.936 €
Angepasstes Moodle (Spanne laut Kolonell) 14.400 bis 31.300 € je 2.400 bis 5.300 € 19.200 bis 41.900 €
Individuelles LMS (Spanne laut Kolonell) 29.500 bis 66.400 € je 3.500 bis 7.400 € 36.500 bis 81.200 €

So ist die Tabelle gerechnet: iSpring dreimal 15.312 €. Für Moodle und Eigenentwicklung der einmalige Betrag plus dreimal die jährlichen Kosten aus der Kolonell-Schätzung. Die Kolonell-Werte beziehen sich auf ein Projekt mit vielen Schnittstellen, der iSpring-Preis auf die Standardsoftware ohne solche Anbindungen. Die Zeilen sind deshalb nur grob vergleichbar. Für 300 Nutzer mit weniger Anbindungen kann der Aufwand einer eigenen Lösung niedriger ausfallen.

Drei Dinge zeigt die Rechnung:

  1. Die Nutzerzahl entscheidet. Bei Cloud-Software wachsen die Kosten mit jeder Nutzerstufe. Beim Moodle-Hosting steigen sie ebenfalls, aber langsamer: Im Standard-Hosting von eLeDia kostet die achtfache Nutzerzahl (2.000 statt 250) etwa das Dreifache.
  2. Der Zeitraum entscheidet. Die laufenden Jahreskosten sind bei Moodle und Eigenentwicklung niedriger als bei der Cloud-Software. Über drei Jahre liegt das angepasste Moodle in dieser Rechnung unter der Cloud-Software, während sich die Spanne der Eigenentwicklung mit dem Cloud-Betrag überschneidet. Je länger der Zeitraum, desto stärker zählen die laufenden Kosten.
  3. Aktive Nutzer zählen. iSpring zählt laut Preisseite nur Nutzer, die sich im jeweiligen Monat anmelden. Lernen Ihre 300 Nutzer nur in wenigen Monaten, kann der Betrag deshalb niedriger ausfallen. Lassen Sie sich das im Angebot vorrechnen.

Was kleine Unternehmen zahlen

Mit weniger als 100 Nutzern sieht die Rechnung anders aus, weil viele Preismodelle erst ab größeren Stufen günstig werden. Aus den Quellen dieses Beitrags ergeben sich diese Einstiegspunkte:

  • Zum Ausprobieren: TalentLMS bietet laut Preisseite einen kostenlosen Tarif für bis zu fünf Nutzer und zehn Kurse.
  • Bis 40 Nutzer: Der Tarif Core von TalentLMS kostet 119 US-Dollar im Monat, bis 70 Nutzer der Tarif Grow 229 US-Dollar.
  • Moodle ab 50 Nutzern: Die Self-Service-Pakete von eLeDia beginnen bei 150 € für drei Monate.
  • Unter 100 Nutzern bei iSpring: nur auf Anfrage im Tarif Enterprise.

Für kleine Teams lohnt sich eine Eigenentwicklung selten allein wegen der Kosten. Sie kann sich lohnen, wenn das LMS Teil eines eigenen Produkts ist oder sehr spezielle Abläufe abbilden muss.

Kosten, die in keiner Preisliste stehen

Lizenz und Hosting sind nur ein Teil der Rechnung. Planen Sie auch diese Kosten ein, unabhängig vom gewählten Weg:

  • Interne Betreuung: Jemand muss Nutzer anlegen, Kurse einstellen, Fragen beantworten und Berichte ziehen. Das ist bei jeder Lösung Arbeitszeit in Ihrem Haus.
  • Inhalte: Kurse müssen erstellt, eingekauft oder aus bestehenden Unterlagen umgebaut werden. Je nach Umfang kann das mehr kosten als die Plattform selbst.
  • Einführung: Projektleitung, Abstimmung mit Datenschutz und Betriebsrat sowie Schulung der Administratoren.
  • Schnittstellen: Die Anbindung an HR-System, Single Sign-on oder Zeiterfassung ist selten im Grundpreis enthalten.
  • Wechselkosten: Wenn Sie den Anbieter später wechseln, müssen Kurse, Nutzer und Lernstände umziehen.

Checkliste für Ihren Angebotsvergleich

Diese Fragen sollten Sie jedem Anbieter stellen, bevor Sie Preise vergleichen:

  • Wird pro registriertem oder pro aktivem Nutzer abgerechnet?
  • Gelten die Preise bei monatlicher oder bei jährlicher Zahlung?
  • Sind Preise netto oder brutto angegeben, und in welcher Währung?
  • Was kostet es, wenn die Nutzerzahl die gebuchte Stufe übersteigt?
  • Welche Einrichtungskosten fallen an?
  • Sind Schnittstellen, Single Sign-on und eigenes Design im Preis enthalten?
  • Wo stehen die Server, und gibt es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?
  • Wie bekommen Sie Ihre Daten und Kurse heraus, wenn Sie kündigen?

Nächste Schritte

  1. Schätzen Sie die Zahl der Nutzer, die pro Monat tatsächlich lernen, nicht nur die Zahl aller Mitarbeitenden.
  2. Legen Sie fest, über wie viele Jahre Sie rechnen wollen. Drei bis fünf Jahre sind ein guter Zeitraum.
  3. Holen Sie für jeden der drei Wege mindestens ein Angebot ein und tragen Sie die Zahlen in eine Tabelle wie oben ein.
  4. Rechnen Sie die interne Arbeitszeit für Betreuung und Inhalte dazu, bevor Sie entscheiden.

Quellen

  1. iSpring: Preise für iSpring Learn
  2. TalentLMS: Preise
  3. eLeDia: Moodle-Hosting-Pakete und Preise (Infoblatt 2026)
  4. Moodle Developer Resources: License
  5. Kolonell: Corporate LMS, Custom Build vs. Moodle, Kosten in Berlin 2026